Das Kartoffel Experiment

Das Kartoffel Experiment ist in Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe Inges Idee durchgeführt und in der gemeinsamen Ausstellung „Time Space Architecture“ 2002 in Berlin zum erfolgreichen Abschluss gebracht worden.


 

 

 

Ein hierzulande nicht wegzudenkendes Grundnahrungsmittel - die Kartoffel - dient als  Ausgangspunkt und einziger Rohstoff um den Wort-Cocktail von time, space and architecture zu überdenken.
An dieser Knolle sollen sich verschiedene Sichtweisen von Künstlern und Architekten verdeutlichen und kongenial zusammenwirken.
Temporäre (Ausstellungs-)Konzepte müssen mit verborgenen Trieben und Kellergeruch um Gleichberechtigung streiten. Kartoffeln können keimen und lagern, man kann sie schälen oder kochen und unter zubereitenden Hirnen und Händen verwandeln sie sich in profanes Mus oder bourgeoise Pomme allumette. Sie können als Chips die perfekt berechnete Form der Berliner Kongresshalle annehmen oder sich völlig spirituell in Wodka entkörpern. Für welche Zubereitung und Aggregatzustände sich die beiden Teams entscheiden, wird sich zeigen. Wir wünschen auf jeden Fall: Guten Appetit!

Sichtweisen.

A: Sicher ist es keine gute Idee, nur alte Projekte auszustellen. Zusammen muss es machbar sein, ein neues Objekt zu entwickeln, an dem die eigentliche Zusammenarbeit stattfinden kann.
K: Habt ihr nicht ein altes Modell oder könnt vielleicht ein neues bauen? Damit werden wir dann irgendwas machen.
A: Hm, das sind immer so kleine Teile und die sind ohne Podeste in einem großen Ausstellungsraum nicht richtig sichtbar und die schönsten stehen sowieso bei den Bauherren.
K: Aber wir könnten dann auf irgendwas reagieren: hier haben wir versucht (zeigt eine Skizze), aus einer Neutra Villa einen Herd zu machen.
A: Das ist doch gar kein richtiger Maßstab, sondern irgendwas in Richtung 1: 6,5. Außerdem würde Neutra sich nicht freuen, einen Topf und zwei Bratpfannen auf dem Dach seiner Villa stehen zu sehen. –  Ich denke eher an die Arbeit von Balthazar Neumann. In seinen Gebäuden gibt es eine fast organische Verbindung zwischen der architektonische Ausformung der Decke und den Gemälden, die auf diese aufgetragen wurden – hier ist kaum eine Reibung zwischen Raum und dem 2-d Gebilden erkennbar, als liefen der Architekt und der Künstler wirklich in die selbe Richtung.
K: Ich komme aus Franken -  und schätze die komplexen und wunderbaren Räume sehr.
A: Also, was machen wir dann? Wichtig ist schon, dass es eine Art temporary feeling bekommt – immerhin läuft die Show nur 8 Tage.
Wir haben uns etwas aus brauner Pappe vorgestellt, Pappe aus dem Supermarkt. Mit Pappe könnte man alles Mögliche bauen z.B. Objekte wie eine Giraffe oder eine Kartoffel ( kritzelt auf ein Stück Papier)
K: toll
A: Eine Giraffe sich in dem dritten Obergeschoß einer Berliner Wohnung vorzustellen, ist natürlich auch ganz witzig.
K: toll
A: Es ist wirklich schwierig für uns irgendwas völlig Funktionsloses zu machen – vielleicht sollten wir die Konstruktionen um einen Wasserspender entwerfen – und außerdem, ich weiß gar nicht, wie man eine sitzende Giraffe maßstäblich aus  Pappe konstruieren könnte.
K: Lasst uns die Giraffe machen, das ist eine tolle Idee oder vielleicht ist die Kartoffel doch einfacher zu bauen.
A: Der Architekt für eine Kartoffel (schaut nach unten auf der Fußboden)
K: Ihr konstruiert eine große Kartoffel und wir möblieren ringsum – das hat etwas sehr Deutsches über sich- das ist ein großes, wunderbares Grundnahrungsmittel, wie man es hierzulande in allen Variationen schätzt – vielleicht klären wir die Möblierung mit einem Filmausstatter.
A: Eine Kartoffel - ist das nicht eher ein organisch geformtes Objekt in einen Raum hineingestellt ( schaut wieder nach oben )? So ein Objekt können wir schon formen, aber wie sollen wir das überhaupt bauen?
K: Wir sind Bildhauer, wir wissen wie man das bauen kann.